Das Epitheton leucomelas entstammt den griechischen Wörtern leuco (= das Weiße) und melan (= schwarz). Es bezieht sich auf die kontrastreiche gelb-schwarz gebänderte Zeichnung der Tiere.
Die Gattung Dendrobates entspricht weitestgehend der Tinctorius- und Auratus-Gruppe im Sinne von SILVERSTONE (1975)
Anmerkung zur Systematik:
SILVERSTONE (1975) stellte D. leucomelas in die Histrionicus-Gruppe und postulierte eine Verwandtschaft der Art mit Oophaga histrionica (D. histrionicus sensu SILVERSTONE 1975). Die Zuordnung geschah vor allem aufgrund des Zeichnungsmusters. Morphologisch weist die Art aber ansonsten viel größere Ähnlichkeiten zu D. auratus und D. tinctorius auf. Genetische Untersuchungen konnten dann auch untermauern, dass D. leucomelas nah mit diesen Arten verwandt ist (SUMMERS & CLOUGH 2002, VENCES ET AL.. 2003, GRANT ET AL. 2006). Geschwisterart ist D. tinctorius (GRANT ET AL. 2006). Mit beiden Arten lässt sich die D. leucomelas auch hybridisieren, wobei die Nachkommen intermediäre Merkmale beider Eltern zeigen und unfruchtbar sind (Biologisches Artkonzept). Auch das biogeographische Verbreitungsmuster und das Verhalten weisen auf eine enge Verwandschaft zu den beiden genannten Arten hin. Im Gegensatz zur Gattung Oophaga zeigen alle Arten von Dendrobates eine männliche Brutfürsorge ohne Oophagie (vs. weibliche Brutfürsorge mit obligater Oophagie bei Oophaga). Der Ruf von D. leucomelas ist auch nicht mit dem typischen Chirp-Call (Zirp-Ruf) von Oophaga zu verwechseln. In der Gattung Dendrobates ist dieser Ruf bisher aber einzigartig da D. auratus, D. tinctorius und D. truncatus einen leisen schnarrenden Buzz-Call (Summ-Ruf) aufweisen während eine Rufsequenz von D. leucomelas im Sonagramm dargestellt zwar einen ähnlich Aufbau besitzt, dem menschlichen Gehör aber als deutlich lauter und längerer Trill-Ruf erscheint.
Laut IUCN (2008) wird die Art in der Roten Liste aufgrund des großen Verbreitungsgebietes, der großen Anpassungsfähigkeit bei Habitatveränderungen und der vermutlich großen Populationsdichte als nicht gefährdet eingestuft. Der Tierhandel dürfte nur noch ein untergeordnetes Gefährdungspotenzial für die Wildpopulationen darstellen (<75%), da die Art regelmäßig und in großen Mengen nachgezogen wird. Die Gefärdung einiger kleinerer Subpopulationen durch Habitatverlust und kommerziellen Handel ist jedoch nicht auszuschließen. Die Art kommt in mehreren staatlichen Schutzgebieten vor (z.B. Parque Nacional Canaima).
Laut CITES (2008)wurde die Art von den Ursprungsländern bisher mehrmals legal ausgeführt und gehandelt.
Anhang II des WA. Anhang B der EU-ArtSchVO(EG). Zuchtbuch-, Nachweis- und Meldepflicht nach BArtSchVO.
Die Art unterscheidet sich von allen anderen Arten der Gattung durch das einzigartige Färbungsmuster mit gelb-schwarzer Bänderung. Einige Morphen von D. tinctorius zeigen zwar ebenfalls gelbe Zeichnungsmuster, diese sind aber großflächiger und meist nur auf den Rücken beschränkt. Die Art D. tinctorius zeigt auch eine andere Körperhaltung mit deutlich sichbaren Beckenknochen.
Variation:
Verschiedene Farbmorphen sind bekannt. Gebänderte und genetzte Varianten werden unterschieden. Auch in der Färbung der Zeichnungen gibt es Unterschiede von hellgelb über orange-gelb bis grün-gelb. Eine Variante zeichnet sich durch grünlich gefärbte Gliedmaßen (meist nur die Füße) aus. Tiere einer Population aus Guyana zeigen mehr Gelb und besitzen in den gelben Bändern keine oder nur wenige schwarze Flecken. Der Polymorphismus ist jedoch bei D. leucomelas trotz des großen Verbreitungsgebietes deutlich geinger ausgeprägt als bei den beiden verwandten Arten D. tinctorius und D. auratus.
Alter:
Die durchschnittliche Lebenserwartung dürfte zwischen 10 und 15 Jahren liegen. M. SCHULTE (pers. Komm.) berichtete von einem 20 Jahre altem Tier in seiner Anlage.
Geschlechtsreife:
mit 12 - 18 Monaten. Die ersten Gelege sind oft von minderwertiger Qualität (verpilzen).
Große Larven mit ca. 40 mm Gesamtlänge im Gosner-Stadium 45.
Entwicklungszeiten:
Die Larven schlüpfen bei Wassertemperaturen von 25 °C 1nach 8 Tagen. Nach 60-70 Tagen ist die Metamorphose abgeschlossen (PETERHANS, pers. Kommentar)
Ernährung:
Die Larven von D. leucomelas dürften sich im Freiland wie D. auratus hauptsächlich carnivor von Mosquito-Larven ernähren. Generell besitzen sie aber ein unspezialisiertes Larvenmundfeld, lassen sich gut omnivor ernähren und nehmen viele andere Futtersorten an. Sie lassen sich unter Terraienbedingungen ohne Probleme mit Zierfischtrockenfutter ernähren. Gute Erfahrungen wurden mit einem fein zermahlenem Gemisch aus Zierfischtrockenfutter (Farbfutter), gefriergetrockneten Bachflohkrebsen, Roten Mückenlarven, Wasserflöhen, Artemia und Spirulina haltigen Futtertabletten für Zierfische gemacht (ISENSEE, pers. Kommentar).
Entlang des Flußsystem des Orinoco. In Venezuela nördlich bis zum Río Orinoco, östlich nach Guyana bis zum Essequibo River, südlich ins nördliche Brasilien und westlich bis ins östliche amazonische Kolumbien in Höhen von 50-760m Höhe verbreitet (FROST, 2006)
Regenwald-Terrarium ab 50x50x50cm automatische Beregnung und Nebelanlage empfehlenswert Bodenbewohner, klettert aber auch gerne
Temperaturen:
Tags 25-28 °C, nachts um 3-4 °C absenken Jahresschwankung: minimal (1-2 °C)
Luftfeuchte:
70-80%, zur mittagszeit bis 70%, morgens und abends 100% (Nebel) Jahresschwankung: Regenzeit mit hoher Luftfeuchte und Regen von Mai bis Dezember
Ernährung:
Die Art D. leucomelas ist ein gieriger Fresser. Eine abwechslungsreiche Ernährung steigert die Vitatlität und Fruchtbarkeit der Tiere. Dazu bieten sich übliche kleine und mittlere Futtertiere wie Springschwänze, Kleine Obstfliege, Große Obstfliege, Mikro-Grillen bzw. –Heimchen und Staubläuse (Mikrokäfer) an. Gerne werden auch etwas größere Beutetiere wie Bohnenkäfer, Ofenfischchen, Weisse Asseln und Raupen der Wachsmotte genommen. Da Wachsmaden sehr fetthaltig sind sollten diese nicht zu häufig verfüttert werden. Dies kann neben einer Verfettung auch zu Durchfall und Darmvorfällen führen. Auch Bohnenkäfer sollten nur gelegentlich verfüttert werden, da ihre harte Chitin-Panzerung ebenfalls zu Darmvorfall führen kann. Im Sommer ist Wiesenplankton eine vitaminreiche Abwechslung. In der Natur werden neben Milben überwiegend tropische Ameisen gefressen, heimische Ameisen werden aber verschmäht (Ameisensäure). Für Jungtiere sind in den ersten zwei Wochen Springschwänze und kleine Obstfliegen unabdingbar. Besonders gute Wachstumsergebnisse erzielt man aber mit frisch geschlüpften Heimchen oder Grillen. Für Adulti sollten Futtertiere wie Grillen und Obstfliegen regelmäßig 1-2-mal die Woche mit einem guten Vitaminpräparat eingestäubt werden (z.B. Amivit A nach der original BIRKHAHN-Rezeptur). Futtertiere für Jungtiere sollten die ersten 4 Wochen täglich bestäubt werden. Angebrochene Vitaminpräparate im Kühlschrank aufbewahren. Obstfliegen lassen sich vor dem Verfüttern gut mit flüssigen Vitaminpräparaten (z.B. Sanostol, Multibionta) anfüttern und so ernährungsphysiologisch aufwerten. Auch Ofenfischchen, Heimchen und Weiße Asseln lassen sich durch Anfüttern mit vitaminreichen Futtermitteln nochmals aufwerten. Bestäubte Futtertiere sollten im Terrarium auf auswechselbaren Schalen angeboten werden. Zurückbleibende Vitaminpulverreste können so keinen Bakterienherd auf dem Terrariumboden bilden. In kleinen Schalen im Terrarium ausgelegte Obststücke (z.B. Bananenscheiben) sind gute Lockstellen für Obstfliegen und werden von den Fröschen bald als Futterplätze akzeptiert. Für eine ausreichende Vitaminversorgung der Futtertiere durch diese Lockstellen dürfte die Verweildauer der Futtertiere jedoch zu gering sein, so dass dennoch zusätzlich vitaminisiert werden sollte. Angebotene Futterschalen sollten aus hygienischen Gründen alle 2-3 Tage gereinigt werden. Springschwänze lassen sich gut auf ausgelegten Xaxim-Stückchen konzentrieren, indem man diese mit kleinen! Mengen Trockenhefe bestreut. Auch hier lernen die Frösche schnell die Bedeutung des Futterplatzes.
Besatz:
Wie bei fast allen Arten von Pfeilgiftfröschen bereitet die paarweise Haltung die geringsten Probleme und entspricht auch der natürlichen Lebensweise. Da die Weibchen untereinander um Männchen konkurrieren und Ringkämpfe ausführen, kann dies bei unterlegenen Tiere zu Stress führen, der den Tod zur Folge haben kann. In ausreichend großen Becken (ab 100 cm Kantenlänge) lassen sich die Tiere auch in einer kleinen Gruppe von 4-6 Tieren halten. Wichtig dabei ist, dass die Tiere als Jungtiere erworben und gemeinsam aufgezogen werden. Für unterlegene Tiere müssen Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein, so dass sie den dominaten Tieren ausweichen können. Bei Änderungen in der Revierstruktur (Umbau der Einrichtung) können aber auch in gut funktionierenden Gruppen Probleme auftreten. Eine sofortige Trennung der Tiere ist dann unumgänglich.
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